Warum Nachdenken heute fast schon rebellisch wirkt

Je älter ich werde, desto öfter frage ich mich:
Ist es eigentlich erwünscht, dass wir nachdenken?
Oder sollen wir lieber funktionieren?
 
Wir leben in einer Zeit, in der vieles laut ist. Erwartungen, Vorgaben, Meinungen, Regeln. Es gibt Normen, Abläufe, Routinen – und unendlich viele Stimmen, die uns sagen, wie wir leben sollten. Mehr arbeiten. Mehr leisten. Mehr kaufen. Uns absichern. Uns anpassen. Nicht auffallen. Nicht zweifeln. Nicht unbequem sein.Und während wir all das tun, verlieren wir manchmal das Wichtigste: unser eigenes Denken.

 

Ich habe nie aufgehört zu hinterfragen – mich, das Leben, den Sinn. Manche nennen das kompliziert. Ich nenne es Menschsein. Aber wenn man genauer hinschaut, merkt man: Wirkliche Selbstbestimmung wird nicht immer gefördert. Ja, manchmal wirkt es fast so, als wäre sie gar nicht gewollt.
Denn wer viel zweifelt, der hält inne. Wer inne hält, der ändert Dinge. Und wer Dinge ändert, wird unberechenbar für ein System, das von Routine lebt.
Was uns heute oft angeboten wird, ist eine Illusion von Sicherheit:
Wir sollen gehorchen, und dafür verspricht man uns Schutz.
Nimm diese Medikamente, dann bist du sicher.
Arbeite mehr, dann bist du sicher.
Besitze mehr, dann bist du sicher.
Bleib im System, dann bist du sicher.
Und gleichzeitig wird mit Angst gespielt. Angst, das Geld reicht nicht. Angst, wir verpassen etwas. Angst, wir werden krank. Angst, wir fallen raus. Und aus Angst geben viele ihre Verantwortung ab – an Ärzte, Banken, Arbeitgeber, Politik, Experten.
Denn wenn etwas schief läuft, kann man ja sagen: „Ich konnte nichts dafür.“
Aber echte Freiheit funktioniert nicht so.          
Selbstbestimmung bedeutet nicht nur, schöne Entscheidungen zu treffen. Sie bedeutet auch, Konsequenzen zu tragen. Sie bedeutet Mut. Unsicherheit. Und manchmal auch Risiko.
Wer wirklich etwas verändern will, beginnt nicht im Außen.
Sondern im Inneren.
Bei den eigenen Gedanken.
Den eigenen Werten.
Den eigenen Entscheidungen.
Den kleinen Gewohnheiten im Alltag.
Vielleicht braucht es nicht immer Sicherheit.
Vielleicht braucht es Vertrauen.
Vielleicht braucht es nicht immer mehr.
Vielleicht manchmal weniger.
Vielleicht braucht es Mut – Mut, anders zu handeln als „man das eben so macht“.
Und vor allem braucht es eines:
Ein Gefühl für das Wesentliche.
Für das, was uns trägt.
Für ein Leben, das sich echt anfühlt – nicht getrieben von außen, sondern geführt von innen.
Warum ich so viel nachdenke?
Vielleicht, weil es meine Art ist zu leben.
Vielleicht, weil ich innerlich frei sein will.
Oder vielleicht, weil ich einfach so gestrickt bin.
Und ganz ehrlich: Ich möchte gar nicht anders sein.
Eine Träumerin