Drei Dinge, die in keinem Schulbuch stehen
Während ich noch über meinen eigenen Lebenslehrplan nachdenke, fallen mir noch ein paar Lektionen ein, die ich im Laufe der Jahre gelernt habe. Manche davon hätte ich früher gerne schon gewusst. Andere musste ich erst durch eigene Erfahrungen verstehen.
Eine davon betrifft meine Gesundheit. Als ich jünger war, habe ich meinen Körper ziemlich selbstverständlich genommen. Er hat funktioniert, also habe ich funktioniert. Man macht weiter, hält durch und stellt die eigenen Bedürfnisse gerne einmal hinten an.
Vor ein paar Jahren habe ich eine Bronchitis einfach übergehen wollen. Es war ja schließlich nichts, was mich von meinem Alltag abhalten musste. Dachte ich zumindest. Aus der Bronchitis wurde eine Lungenentzündung. Das war für mich eine ziemlich deutliche Lektion. Mein Körper ist heute nicht mehr so stark und widerstandsfähig wie vor zwanzig Jahren. Und vielleicht ist das auch ganz normal. Wir werden älter und unser Körper verändert sich mit uns.
Heute höre ich genauer hin. Nicht nur dann, wenn es schon gar nicht mehr anders geht. Gesundheit bedeutet für mich inzwischen aber auch mehr als einen funktionierenden Körper. Auch das, was wir täglich in uns aufnehmen, beeinflusst uns: Gedanken, Menschen, Nachrichten und Meinungen. Manches tut uns gut, anderes macht uns unruhig oder raubt uns Kraft.
Ich bin vorsichtiger geworden mit dem, was ich an mich heranlasse. Ich hinterfrage Dinge mehr und vertraue nicht mehr automatisch darauf, dass etwas richtig sein muss, nur weil es alle anderen glauben. Und ich habe gelernt, auch meinem eigenen Gefühl wieder mehr zu vertrauen.
Eine zweite Lektion habe ich als junge Lehrerin gelernt. In meinen Anfangsjahren wollte ich immer perfekt vorbereitet sein. Ich wollte auf alles eine Antwort haben und möglichst keine Frage offenlassen. Schließlich war ich die Lehrerin. Da musste ich doch wissen, wie es geht. Dieser Perfektionismus hat mich unglaublich viel Kraft gekostet.
Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass man nicht auf alles eine Antwort haben muss. Dass es völlig in Ordnung ist, auch einmal zu sagen: „Das weiß ich jetzt gerade nicht.“ Und dass man im Leben manchmal den Mut zur Lücke braucht.
Heute kann ich darüber schmunzeln. Ich muss nicht mehr alles wissen, alles können und schon gar nicht alles richtig machen. Manchmal ist es sogar viel spannender, gemeinsam nach einer Antwort zu suchen.
Damit bin ich bei einer weiteren Lektion, die mir das Leben beigebracht hat: Ich darf meine Meinung ändern. Früher wusste ich ziemlich genau, was richtig und was falsch ist. Ich wollte eine bessere Welt und habe dafür auch lautstark gekämpft. Ich war gegen Atomkraft in Temelín und bin dafür auf die Straße gegangen.
Heute sehe ich viele Dinge differenzierter. Ich bin ruhiger geworden. Vielleicht, weil ich gelernt habe, dass die Welt selten nur aus richtig und falsch besteht. Und vielleicht auch, weil ich inzwischen besser weiß, dass ich selbst nicht außerhalb dieser Welt stehe.
Wenn ich heute zum Beispiel auf das Google-Rechenzentrum in Kronstorf angesprochen werde, sage ich manchmal: Die Zeiten haben sich geändert. Ich kann schlecht gegen etwas sein, das ich gleichzeitig selbst nutze. Ich verwende Google Maps und frage Google nach Informationen, wenn ich etwas wissen möchte.
Das heißt nicht, dass mir alles egal geworden ist. Es bedeutet vielmehr, dass ich gelernt habe, genauer hinzusehen. Meine Meinung darf sich verändern, wenn sich mein Wissen und meine Erfahrungen verändern. Früher dachte ich, man müsse sich selbst treu bleiben, indem man an einmal getroffenen Überzeugungen festhält. Heute glaube ich, dass es genau umgekehrt sein kann. Vielleicht bedeutet sich selbst treu zu bleiben manchmal auch, ehrlich genug zu sein zu sagen: Heute sehe ich das anders.