Wie man sich ein Wochenende perfekt selbst sabotiert
Wir alle kennen sie: die verlockende Vision eines perfekten romantischen Wochenendes.
Drei Tage und zwei Nächte in Baden bei Wien. Rosenblüte, Fünf-Gänge-Menü, Casino. Nur mein Herzallerliebster und ich. Was sollte da schon schiefgehen? Eigentlich nichts. Wenn da nicht diese eine Person wäre, die mir regelmäßig mit chirurgischer Präzision die schönsten Pläne durchkreuzt: ich selbst.
Der Auftakt verlief standesgemäß. Ein spontaner Freitagstermin sorgte dafür, dass wir mit der perfekten, leicht gestressten Verspätung in Baden eintrudelten. Aber die Rosen im Rosarium blühten, mein Herz ging auf, die Welt war rosarot. Der Abend sollte der krönende Auftakt werden: ein feines Restaurant, ein exquisites Fünf-Gänge-Menü mit Weinbegleitung. Und danach? Das große Prickeln am Roulettetisch.
Das Abendessen war ein Traum in fünf Gängen. Genau hier schlich sich der Saboteur auf leisen Sohlen an. Nach Gang fünf und dem letzten Schluck Wein war ich nicht mehr die Femme fatale des Abends, sondern ein wandelndes Faultier im Verdauungskoma. Mein visionärer Vorschlag lautete: „Lass uns das Casino auf morgen verschieben.“
Ich warf mich ins Hotelbett, streckte alle viere von mir und war – der Inbegriff der Verführung – tief und fest eingeschlafen, noch bevor mein Partner das Badezimmer verlassen hatte. Romantik-Faktor an Tag eins: ein satter, tief schlafender Stein.
Der Samstagmorgen erwachte – und mit ihm die Romantik. Dachte ich zumindest. Mein Liebster kraulte mir sanft den Nacken. Eigentlich der Startschuss für eine filmreife Kuschelszene. Mein Körper signalisierte allerdings etwas völlig anderes: leichtes Kopfweh, einen flauen Magen und einen Atem, der vermutlich eine Kleinstadt hätte evakuieren können. Statt mich lasziv zu räkeln und mit einem strahlenden Lächeln umzudrehen, sprang ich auf und marschierte schnurstracks ins Bad. Mission: zahnhygienische Rettungsmaßnahmen. Als ich zurückkehrte, empfing er mich mit einem erwartungsvollen: „Und?“
Anstatt zu sagen: „Schön, dass du da bist, aber mir ist ein bisschen flau“, wählte ich die passive Aggression. „Heute brauche ich kein Frühstück. Das Menü war einfach zu viel.“ Seine logische Reaktion: „Ich habe aber Hunger und gehe frühstücken.“
Dass er dafür geschlagene eineinhalb Stunden brauchte, verbuchte ich als persönlichen Affront. Studierte er dort die gesamte Weltpresse? Als er endlich zurückkehrte, schluckte ich meinen Ärger hinunter und mimte die tiefenentspannte Partnerin. Schließlich stand das Tagesprogramm an: Stadtbummel und Schwimmbad.
Beim Schlendern durch die Stadt passierte es. Eine Buchhandlung kreuzte meinen Weg. Als Buchliebhaberin zog mich der Laden magisch an. „Nur zehn Minuten“, versprach ich. Es wurden fünfunddreißig. Während mein Partner draußen wartete, redete ich mir drinnen die Zeit schön. Schließlich hatte ich vorhin auch auf ihn warten müssen. Wer braucht bitteschön eineinhalb Stunden für ein Frühstück? Ausgleichende Ungerechtigkeit nennt man das wohl.
Am Nachmittag lagen wir schließlich im Schwimmbad. Die Sonne schien, das Wasser glitzerte. Und was tat die Meisterin der Romantik? Ich vergrub meine Nase tief in einem der neu erworbenen Bücher und las, während er sich einfach treiben ließ. Plötzlich drehte er sich zu mir um und ließ die Bombe platzen: „Du, heute Abend läuft ein total interessantes Fußballspiel. Das will ich sehen. Ich mag nicht ins Casino. Ich hol uns ein paar Dosen Bier und Chips, und wir schauen die WM im Zimmer.“ In diesem Moment gefror die Sommerhitze zu Packeis. Ich kochte vor Wut, sagte aber – natürlich – nichts.
Abends saß ich wie eine Statue neben ihm im Bett, starrte auf den Fernseher und dachte: Grandios. Unser romantisches Wochenende. Er begehrt mich einfach nicht mehr. Um meiner Verzweiflung Ausdruck zu verleihen, legte ich mich irgendwann demonstrativ mit dem Rücken zu ihm ins Bett. Ein stummer Schrei nach Liebe, der leider wie eine Abfuhr wirkte.
Der Sonntag brachte das Unvermeidliche. Die Stimmung beim Frühstück war so einsilbig, dass mein Partner sich demonstrativ hinter der bunten Sonntagszeitung verbarrikadierte. Meine Laune hatte inzwischen den absoluten Tiefpunkt erreicht. Bevor ich explodiere, dachte ich, beende ich das hier lieber im Guten. Als er die Zeitung weglegte, machte ich den finalen Vorschlag: „Lass uns packen und nach Hause fahren. Romantisch war das hier nicht. Es ist klüger, wir brechen ab.“